Ein Zivi mit Freiraum fürs Fernweh

Am Samstag fliegt der 21-jährige Lukas Flugel für 15 Monate nach Bolivien, um dort Wälder aufzuforsten Schlafen kann Lukas Flugel aus Penzberg schon seit einer Woche nicht mehr richtig. Schließlich sind es nur noch vier Tage, bis sich sein Traum erfüllt: Der 21-Jährige fliegt am 8. März für 15 Monate nach Bolivien, um dort seinen Zivildienst abzuleisten. , Ich wollte immer mal länger ins Ausland. Dass es nun sofort geklappt hat, ist der absolute Wahnsinn“, schwärmt er. Lukas wird mit der Weilheimer Organisation ,,Bäume für Menschen- Trees for the World” nach Santiago de Huari gehen, um dort ein neues Projekt mit aufzubauen. Da die Waldbestände in dieser Gegend durch den Bergbau in der Kolonialzeit weitgehend zerstört wurden, ist das Ziel seiner Arbeit zunächst einmal die Aufforstung.

Außerdem möchte die Organisation durch Aufklärung an Schulen das Umweltbewusstsein von Kindern und Jugendlichen verbessern. ,,Ich bin schon sehr aufgeregt, weil ich nicht so genau weiß, was da auf mich zu kommt. Aber ich werde es auf jeden Fall durchziehen und mein Bestes geben. Schließlich habe ich fast zwei Jahre für eine Stelle im Ausland gekämpft”, erklärt Lukas. Weil der Traum von der Ferne von ziemlich vielen zukünftigen Zivis geträumt wird, ist es mehr als schwierig, eine dieser raren Stellen zu ergattern. Lukas hat sich insgesamt bei mehr als 60 Organisationen beworben. ,,Meistens nehmen die Vereine nur Leute, die schon eine handwerkliche Berufsausbildung haben”, erzählt er. ;,Die einzige Stelle, die ich gefunden habe, die Schüler nimmt, ist ,,Bäume für Menschen – Trees for the World.”

Aber auch hier musste sich Lukas gegen mehr als 1000 Bewerber durchsetzen’ Hilfreich war vermutlich, dass er ein sehr aktiver Typ ist. Neben mehreren Alpenüberquerungen und Klettertouren war er auch lange Zeit Snowboardlehrer bei der evangelischen Skifreizeit. Außerdem hat er eine Zeit lang als Landschaftsgärtner gejobbt. ,,Schwere Arbeit hat mir eigentlich noch nie etwas ausgemacht”, sagt er, aber auch jetzt, wo ihm die Stelle sicher ist, wird von Lukas viel Eigenengagement erwartet. So ist er extra nach Madrid gefahren, um Spanisch zu lernen. Außerdem arbeitet er bei dem für das Projekt zuständigen Förster, um sich auf seine Arbeit vorzubereiten.

Weil er seinen Zivildienst im Ausland machen will, muss er insgesamt 15 Monate dafür opfern. Schließlich soll es sich auch für die Organisation lohnen. Zudem muss Lukas seinen Flug selbst finanzieren und verdient pro Monat gerade mal 80 Euro. das nimmt er aber gerne in Kauf: ,,Dafür wird mir ja einiges geboten. Ich habe die einmalige Chance, eine weitere Sprache und eine neue Kultur kennen zu lernen. Diese ganzen neuen Eindrücke, das sind sicher Bilder, von denen ich mein ganzes Leben lang zehren werde.” Seine Freunde und seine Familie vermisst er allerdings schon jetzt. Schließlich wird Lukas in den nächsten 15 Monaten nicht die finanziellen Mittel haben, um ihnen einen Besuch abzustatten. ,,Es ist schon ein komisches Gefühl, dass meine Freunde jetzt alle ausziehen und ihre Ausbildung anfangen, und ich bekomm das alles nur aus weiter Ferne mit”, sagt der 21-jährige Penzberger.

Die Idee alles einfach hinzuschmeißen und hier zu bleiben, Iiegt ihm aber fern: ,,Dafür war der Aufwand einfach zu groß, und außerdem habe ich schon immer gesagt, dass ich unbedingt mal ins Ausland möchte. Das ist einfach mein Ding.” Deshalb ist für ihn auch die Frage, was er nach dem Zivildienst anfangen wird, noch offen. Wer weiß, vielleicht wird er in der Entwicklungshilfe bleiben, vielleicht nach Afrika gehen. Das hat ihn schon immer sehr gereizt, sagt er. Woher sein Fernweh kommt, weiß Lukas nicht so genau: ,,Vielleicht habe ich es von meiner Mutter geerbt. Die war lange Stewardess.”

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