{"id":956,"date":"2003-03-03T15:41:34","date_gmt":"2003-03-03T13:41:34","guid":{"rendered":"http:\/\/baeume.de\/?p=956"},"modified":"2015-01-29T16:13:41","modified_gmt":"2015-01-29T14:13:41","slug":"der-foerster-vom-gaprivizipfel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/baeume.de\/de\/blog\/der-foerster-vom-gaprivizipfel.html","title":{"rendered":"Der F\u00f6rster vom Gaprivizipfel"},"content":{"rendered":"<p>[vc_row][vc_column width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text]Die neuen Gastarbeiter (4): Der Deutsche Entwicklungsdienst entsendet Forstwirte nach Namibia Im Kinofilm der Nachkriegszeit hie\u00df der F\u00f6rster Rudolf Prack. Auf der Pirsch war er entweder in der L\u00fcneburger Heide oder im Silberwald, und bis er seine k\u00fcnftige F\u00f6rsterin traf, war sein bester Freund ein Rauhaardackel namens Rudi. Rudi und Herrchen legten b\u00f6sen Wilderern und gierigen Grundbesitzern das Handwerk, I\u00f6schten Waldbr\u00e4nde und beobachteten bei Sonnenaufgang die Ricke mit ihrem Kitz.<\/p>\n<p>In den f\u00fcnfziger Jahren wollten viele J\u00fcnglinge F\u00f6rster und noch mehr M\u00e4dels F\u00f6rsterin werden. Gott sei Dank ist Jo Krug, 32, zu jung &#8222;irr solche Schmonzetten. Deshalb kann man annehmen, dass er aus vern\u00fcnftigen Gr\u00fcnden Forstwissenschaften studiert. Sein Revier liegt auch nicht im Schwarzwald, sondern in Schwarzafrika, genauer in Katima Mulilo im \u00e4u\u00dfersten Nordosten Namibias. Seit f\u00fcnf Jahren lebt der Diplom-Forstwirt in der einstigen deutschen Kolonie, von deren Natursch\u00f6nheit die Touristen schw\u00e4rmen und die dennoch Land und Leute kaum ern\u00e4hrt. Zur n\u00e4chsten namibischen Pizzeria sind es 500 Kilometer, und wenn er einen Verbiss an B\u00e4umen sieht, wei\u00df er, dass hier kein Reh, sondern ein Elefant zugange war.<\/p>\n<p>Immerhin: ,,In vertretbaren Entfernungen gibt es alles wirklich Wichtige zu kaufen&#8220;, versichert Jo Krug und z\u00e4hlt auf: Brot. Seife, Getr\u00e4nke. Seit Oktober 2000 steht er in den Diensten des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) und baut in Zusammenarbeit mit der namibischen Administration eine kommunale Forstverwaltung auf. Ein Riesenprojekt: ,,Die Gemeinden vor Nordost-Namibia sollen in die Lage gesetzt werden, die Forst-Ressourcen innerhalb ihrer traditionellen Gemeindegebiete selbst\u00e4ndig, nachhaltig und zu ihrem Nutzen zu bewirtschaften&#8220;, erl\u00e4utert Krug den Projektauftrag.<\/p>\n<p>,,Ich berate und unterst\u00fctze die Gemeinden beim Aufbau der Verwaltungsstrukturen, bilde f\u00fcr das Management und die Bewirtschaftung der W\u00e4lder verantwortliche Gruppen aus und erstelle mit den betroffenen Gruppen Bewirtschaftungspl\u00e4ne.&#8220; Das klingt nach einem dr\u00f6gen Schreibtischjob. Doch Krug ist nicht in Deutschland. ,,Ich muss aus einer bestimmten Situation heraus L\u00f6sungen erarbeiten&#8220;, sagt er. ,,Dabei kann ich nur auf Handarbeit und nach unserem Verst\u00e4ndnis mittelalterliche Werkzeuge zur\u00fcckgreifen, etwa um Baumst\u00e4mme per Hand zu Brettern zu verarbeiten oder einen geeigneten Holz-Ernteanh\u00e4nger f\u00fcr Zugochsen zu entwerfen. &#8220; F\u00fcr High-Tech habendie Menschen in Namibia kein Geld.<\/p>\n<p>Die meisten F\u00f6rster in Deutschland arbeiten in einer Beh\u00f6rde mit festen Vorgaben, Abl\u00e4ufen, Besoldungsstufen und Dienstaltersregelungen. F\u00fcr Jo Krug war das nichts. Abgesehen davon gibt es hierzulande nur wenige SteIIen f\u00fcr Forstwirte. An der Arbeit in Afrika reizte ihn, neben dem Leben in einer fremden Kultur, vor allem ,,die vielseitige Aufgabe, die Spielr\u00e4ume f\u00fcr meine eigenen Entscheidungen und die hohe Verantwortung gegen\u00fcber den Projektpartnern und den Erwartungen der Menschen vor Ort&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Silozi und andere Soft Skills<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>Als deutscher F\u00f6rster steht Krug nicht allein auf Namibias weiter Flur. An dem Projekt arbeiten allein f\u00fcnf andere Forstwirte aus Deutschland mit, die ebenfalls vom DED nach deutschem Recht angestellt sind und bezahlt werden. Schon aus beruflichen Gr\u00fcnden sehen sie sich oft, ,,mindestens alle drei Monate&#8220;, pr\u00e4zisiert Krug. Im Vergleich zu anderen afrikanischen L\u00e4ndern beurteilt er die Wohnsituation als recht gut. Vor allem die St\u00e4dte erf\u00fcllen schon fast europ\u00e4ische Ma\u00dfst\u00e4be: ,,Gro\u00dfe Superm\u00e4rkte, recht zuverl\u00e4ssige Telefonverbindungen, der Strom f\u00e4llt selten aus.&#8220; Auf diesem Kontinent ver\u00e4ndern sich die Ma\u00dfst\u00e4be. Aus der deutschen Kolonialzeit sind keine Ressentiments \u00fcbrig geblieben. ,,Die Zusammenarbeit mit den namibischen Kollegen ist sehr gut.<\/p>\n<p>AIs Berater werde ich gern gesehen und sehr freundlich aufgenommen&#8220;, sagt Krug. ,,Auf dem Land wird zwar ein Fremder und dann noch ein Wei\u00dfer &#8211; manchmal mit Misstrauen betrachtet, aber das legt sich schnell.&#8220; Irgendwann m\u00f6chte Krug nach Deutschland zur\u00fcck, aber nicht so bald. Jetzt reist er erst einmal f\u00fcr ein paar Monate nach Hause, um seine Promotion abzuschlie\u00dfen. Danach will er seine Arbeit dem Projekt fortsetzen. ,,In den n\u00e4chsten zehn Jahren w\u00fcrde ich gerne noch im Ausland arbeiten.&#8220; In welchem Land? ,,Darauf m\u00f6chte ich mich noch nicht festlegen.&#8220; Krug spricht Englisch und hat im Land Afrikaans und Silozi gelernt. Damit kommt man auch woanders ein gutes St\u00fcck weiter.<\/p>\n<p>In Namibia lebt es sich f\u00fcr kleines Geld. Die Lebenshaltungskosten sind h\u00f6chstens halb so hoch wie in Deutschland. Und das soziale Niveau? \u00c4rzte, Krankenh\u00e4user, Schulen, kulturelles Angebot? ,,Das ist in den gro\u00dfen St\u00e4dten wohl vergleichbar mit den l\u00e4ndlichen Gegenden in Deutschland&#8220;, sagt der Forstfachmann z\u00f6gernd. Es klingt eher nach H\u00f6rensagen.<\/p>\n<p>Denn da, wo Jo Krug lebt und arbeitet, ist fast alles eine l\u00e4ndliche Gegend, right in the MiddIe of Nowhere. Das n\u00e4chste Kino liegt tausend Kilometer entfernt. Und da zeigen sie, welch ein Gl\u00fcck, keine alten deutschen F\u00f6rsterfilme.[\/vc_column_text][vc_single_image image=&#8220;957&#8243; alignment=&#8220;center&#8220; border_color=&#8220;grey&#8220; img_link_large=&#8220;yes&#8220; img_link_target=&#8220;_self&#8220; css_animation=&#8220;appear&#8220; img_size=&#8220;medium&#8220; title=&#8220;Der F\u00f6rster vom Gaprivizipfel&#8220;][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[vc_row][vc_column width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text]Die neuen Gastarbeiter (4): Der Deutsche Entwicklungsdienst entsendet Forstwirte nach Namibia Im Kinofilm der Nachkriegszeit hie\u00df der F\u00f6rster Rudolf Prack. Auf der Pirsch war er entweder in der L\u00fcneburger Heide oder im Silberwald, und bis er seine k\u00fcnftige F\u00f6rsterin traf, war sein bester Freund ein Rauhaardackel namens Rudi. 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